Der vornehme Herr auf der Hamelner Brücke

Ein Bauer in Holtershausen träumte drei Nächte hintereinander, auf der Hamelner Brücke würde er reich werden. Er ging also nach Hameln und stellte sich auf die Brücke. Aber es begegnete ihm nichts; nur ein vornehmer Herr ging auf der Brücke spazieren. Am zweiten Tag begab er sich nochmals auf die Brücke und auch der vornehme Herr fand sich wieder ein. Als dieser den Bauern sah, fragte er ihn, worauf er dort warte, er habe doch gestern schon dort gestanden. Der Holtershäuser antwortete, das wäre lächerlich zu sagen und erzählte seinen Traum. Darauf sagte der vornehme Herr, auf Träume sei nichts zu geben. So habe er geträumt, auf der Mönche-Breite am Lithberg ständen mehrere hohle Bäume, und unter einem davon, einer Eiche, läge ein Schatz. Der Bauer sagte kein Wort, denn ihm gehörte die Mönche-Breite am Lithberg. Er kehrte schnell nach Holtershausen zurück, grub an der bezeichneten Stelle und fand dort wirklich den Schatz. Infolgedessen wurde er sehr reich. Ganze Platten von Silber haben sie Leute bei ihm gesehen. Doch der Reichtum ist nicht in der Familie geblieben.

Diese Sage wurde bei einem Hamelner Radiosender ausgestrahlt
und ist hier als Podcast zu hören...

Das angebliche Kloster bei Holtershausen

In Holtershausen soll vor langer Zeit ein Kloster existiert haben. Dies ist auch der Grund, warum das Dorf keine Kirche besitzt. Flurnamen wie Mönche-Breite, Mönche-Lith und Möncheholz zeugen von seiner Existenz. Brunnenschacht und Teichbett, so heißt es, sollen bei der Separation verschwunden sein.


Der Streit der Hirten auf der Hube

Die Andershäuser Hut und Weide hat früher bis zur Lith an der nordöstlichen Hube gereicht. Jetzt gehört das “Andershäuser Wendfeld” den braunschweigischen Dörfern Brunsen und Holtershausen, ist Gemeindegut und dient zur Hut und Weide der Tiere. Solange es noch den Andershäusern gehörte, hatte der Schäfer aus Salzderhelden daselbst Hut und Weide und machte sein Nachtlager vor Andershausen. Der Andershäuser Kuhhirt hütete auch dort und der Brunser und Holtershäuser kamen ebenfalls dorthin. Diese Hirten, mit Ausnahme des Schäfers von Salzderhelden, gerieten einst über die Weide miteinander in einen Streit, der so heftig wurde, daß sie ihre Messer an die Peitsche banden, und sich damit “zuschanden schlugen”. Seit der Zeit treib der Andershäuser Hirte nicht mehr dorthin, und als später die braunschweigische Regierung, viel früher als die hannoversche, von ihrem Lande Karten anfertigen ließ, wurde das Andershäuser Wendfeld ohne weiteres an die Gemeinden Brunsen und Holtershausen verschrieben.


Alle Sagen aus:
Der Sagenschatz des Amtes Greene, Marco Strohmeier für Heimatverein Greene, 1997

Vergleiche auch:

Georg Schambach, Wilhelm Müller: Niedersächsische Sagen und Märchen -Aus dem Munde des Volkes gesammelt. Göttingen 1855